Wer könnten wir werden?

Wer könnten wir werden?

Wenn wir nun davon ausgehen, dass unsere Kultur, unsere Lebensweise bestimmt wird durch Erzählungen – dann müssen wir anfangen, uns neue Geschichten für die Zukunft auszudenken. Geschichten, die gesellschaftliche Selbstliebe praktizieren: Geschichten, die starke Errungenschaften wie das Recht, den Rechtsstaat, oder die individuelle Freiheit weiterhin stärken und schützen.
Aber andere Teile unserer momentanen Erzählung mit der planetaren, ökologischen Wirklichkeit konfrontieren und diese prekären Teile unserer kulturellen, gesellschaftlichen Identität mit Mut verändern.

Zurzeit ist das Leitmotiv der Industrienationen, Wohlfahrt für möglichst viele zu generieren.
Bhutan ist der einzige Staat der auf einen anderen Faktor wie das Bruttonationalglück, ein Faktor der einen eher ganzheitlichen Ansatz hat, setzt.

Doch das Gros der Industriestaaten setzt bisher noch auf das BIP, das Bruttoinlandsprodukt. Es bemisst allein die Leistung einer Volkswirtschaft. Teil dieser Erzählung ist, dass das Wohlbefinden der Bürger eines Landes mit steigendem materiellem Wohlstand gesteigert werden kann. Wieso sonst sollte man sich auf das BIP fokussieren?

Doch auf welchen Annahmen beruht dies? Dabei gibt es ein paar grundlegende Implikationen einer solchen Ausrichtung: In der Bemessung dieses Faktors spielt im Grunde genommen ausschließlich materielles Wachstum eine Rolle. Das materielle Wachstum basiert weitestgehend auf der Ausbeutung natürlicher Ressourcen. Diese Ausbeutung der Lebensgrundlage für viele Spezies – auch der des Menschen - wird vorgenommen für eine Symbolik des Lebens: Für ein staatliches, wirtschaftliches System, das auf Ausbeutung beruht. Man verwendet Begriffe wie „finanzielle Existenz“ synonym zu den Begrifflichkeiten natürlicher Lebenskraft, die allen Lebewesen innewohnt.

Dabei entsteht eine Verwirrung zwischen den aktuellen Systemen zur Regelung des menschlichen Zusammenlebens und seinen tatsächlichen, ökologischen Lebensgrundlagen. Weil der Staat den Menschen, im demokratischen Falle eines Rechtsstaats, innerhalb seiner Systeme zu schützen versucht, geraten biologische Grundlagen außer Acht. Wenn ausschließlich das menschliche Leben durch staatliche Institutionen als schützenswert deklariert wird, gerät der Mensch in eine bedrohliche Hybris: Er vergisst die Wurzeln seines Lebens und verliert sich in von ihm geschaffenen Symboliken. Wenn der Staat seine Bürger schützen möchte, muss er auch seine ökologischen Nachbarn und deren ökologischen Lebensräume schützen.

Um zu überleben, benötigt der Mensch ökologische Systeme, die ihn versorgen. Dadurch wird Klima- und Umweltschutz zu Selbstschutz.
Die Fürsorge für „fremde“ ökologische Systeme wird zur menschlichen Verantwortung, um die eigene Art zu erhalten.

Wenn wir uns nun mit Themen wie dem Klimawandel beschäftigen, geraten wir oft in Spiralen von Frust: Das Bewusstsein der Problematik ist vorhanden, doch zu gewissem Grade scheinen die Alternativen zu fehlen.
Was können wir sonst tun, wenn wir Teil einer nachhaltigen Gesellschaft sind? Wie können wir leben, wenn wir trotz Klimaschutz nicht auf den Komfort eines warmen Zimmers verzichten wollen?
Wie gelingt es, das Thema des Klimaschutzes, in ein positives, ein motivierendes Thema zu transformieren?

Um Dinge zu tun, benötigen wir Motivation.
Motivation, die uns morgens aus dem Bett steigen lässt.
Motivation und Disziplin, die uns den Tag über nicht aufhören lässt.

Wir brauchen Glauben an eine Geschichte, die uns verbindet und als Gemeinschaft stärkt.
Geschichten, die uns Halt geben und auch in der Zukunft als Gesellschaft Zusammenhalt geben.
Geschichten, die uns Vertrauen ineinander schenken und uns befähigen, über Grenzen hinweg human und mit Bedacht zu handeln.

Wir brauchen Sinn und Verbindung, um uns in unserem Alltag geborgen und wirksam zu fühlen.
Um in Zukunft nachhaltig leben zu können, werden wir uns anpassen müssen.
Um gesellschaftlichen Wandel stemmen zu können, werden wir uns alle innerlich verändern müssen. Unser Selbstbild- und Verständnis ändern müssen, um neuen Gegebenheiten gerecht zu werden.
Um den Wandel begleiten zu können und nicht dem Gefühl zu unterliegen, durch den Wandel entgleite uns die eigene Welt.

Denn jeder Teil dieser Welt hat die Kraft etwas zu tun.
Und jeder Teil dieser Welt kann seinen Beitrag dazugeben, diese eine Welt zum Besseren zu verändern.

Welche Geschichten und menschliche Selbstbilder, die Menschen verbinden und ihnen Halt im Leben geben, gibt es außerhalb der Erzählung von Fortschritt und wirtschaftlichem Wachstum?

Permakultur

Bei Permakultur geht es darum, Land nach Prinzipien zu bewirtschaften, die sowohl Mensch als auch dem Land Ertrag bieten. Es geht dabei um einen fürsorglichen Umgang mit Menschen und Erde, bei dem Ressourcen sinnvoll und gerecht verteilt werden. Die Prinzipien dieser Landnutzungsprinzipien lassen sich jedoch auch auf urbanes Leben übertragen.

https://naturenerds.de/permakultur-prinzipien/

https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/permakultur-video-100.html

https://docplayer.org/64546283-Urbane-permakultur-vom-gaertnern-in-der-stadt.html

Indigene Völker

Bei indigenen Völkern ist oftmals noch ein sehr starker Bezug zur Natur zu beobachten. Bei ihnen ist am besten zu sehen, dass das Leben auf diesem Planeten auch mit einem völlig anderen Selbstverständnis menschlichen Lebens gelebt werden kann. Gerade in Bezug auf dieses Verhältnis zur Natur und zu sich selbst sind diese Völker voller Wissen und Rituale, die gerade in heutigen Gesellschaften für ein Neues miteinander lehrreich sein können.

https://www.zeit.de/zett/politik/2018-08/wie-leben-indigene-voelker-heute-und-welche-probleme-haben-sie

https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2018/10/sie-wollen-einfach-anders-leben

Zur weiteren Lektüre:

Letzter Ausweg: Permakultur
Dieses Buch wird klimapositiv hergestellt, cradle-to-cradle gedruckt und bleibt plastikfrei unverpackt. GAMECHANGER PERMAKULTUR: GRABEN WIR DIE LANDWIRTSCHAFT UM! Unsere Welt steht vor ganz schön vielen Problemen: Klimakrise, Hungersnöte, ...
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Permakultur für Ahnungslose
Permakultur ermöglicht nachhaltiges Gärtnern mit geringem Aufwand und besten Erträgen. Dieser praktische Ratgeber zeigt den einfachen Weg zu einem Garten, der sich selbst erhält. Biogärtner Robert Elger beschreibt die komplette Planung und Umsetzun ...

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